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Bericht des Pfarramts zur Gemeindeversammlung am 28. Februar 2010

Jahresbericht - Seiten 1 / 2 / 3 / 4 Seite 1/4 Vorwärts
Liebe Gemeindeglieder in der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde in Lissabon,

Morgen, auf den Tag genau vor einem Jahr, sind meine Frau und ich von Oberkirchenrat Michael Riedel-Schneider eingeführt worden auf die Pfarrstelle der drittältesten deutschen evangelischen Auslandsgemeinde hier in Lissabon.

Wir kamen zu viert. Das Wetter hat uns -im Vergleich zu diesem Jahr- das Ankommen sehr erleichtert, denn mit dem ersten Tag hier wurde es schön. Gleichwohl haben unsere Seelen alle gebraucht, auch die des Hundes, der drei Wochen vor dem Auto saß - und nach Hause wollte. Das ist ein Jahr her - und damit schon wieder Geschichte. Der Hund will nicht mehr weg, weil hier sein Zuhause ist - und unseres dazu.

Dankbar sind Annabel, meine Frau und ich für die freundliche und herzliche Aufnahme in unserer Gemeinde und in der deutschen Schule im Lehrkörper. Das erste Jahr ist um. Wir haben einmal das Kirchenjahr erlebt. Um mit den Worten von Gerhard Schickert zu sprechen: ein Jahr sind wir als Gemeindekirchenrat besonders für die Pfarrer da. Dann müssen sie auf eigenen Füßen stehen.

Wir stehen inmitten einer lebendigen und einer stabilen Kirchengemeinde. Und dort stehen wir gerne. Ich möchte das auch einmal extra erwähnen und betonen. Denn es ist ja nicht immer selbstverständlich, dass Menschen sich schnell in einer neuen Umgebung  wohl fühlen über einen längeren Zeitraum.

Ich möchte beim Blick auf unsere Gemeinde mit dem beginnen, was überall auf der Welt im Zentrum einer Gemeinde stehen sollte: mit dem Gottesdienst. Ohne die Verkündigung des Evangeliums in vielfältiger Form fehlte uns das geistige Zentrum unserer Glaubensgemeinschaft. Ohne Verkündigung wären wir keine Kirche. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass der Gottesdienstbesuch an Zahlen soweit stabil bleibt. Die sogenannte Kerngemeinde schätzen wir auf etwa 20-30 Personen. Sie besuchen regelmäßig den Gottesdienst. Die „Konfirmandengottesdienste” sowie die Festgottesdienste sind weitaus besser besucht. Im Allgemeinen entspricht der Besuch dem Besuchsverhalten einer deutschen Gemeinde. Prozentual hingegen weisen wir einen wesentlich höheren Besuch auf als in Deutschland. Wir alle als Gemeinde wollen gleichwohl nicht verhehlen, dass wir uns noch höhere Zahlen erhoffen.

Beides, denke ich, schwingt hier mit: einesteils eine gute evangelische Gelassenheit, dass die Menschen für sich gut wissen, wann sie zum Gottesdienst kommen wollen. Dazu das Wissen darum, dass viele entfernt wohnen von der Kirche - und dass der Alltag vieler so stressig geworden ist, dass jede entbehrliche Autofahrt entbehrt wird.

Auf der anderen Seite, denke ich, dürfen wir nicht nachlassen, die Gottesdienste so lebendig und einladend zu gestalten, dass die Menschen auf diese Autofahrt gar nicht mehr verzichten wollen.

Der Versuch eines Abendgottesdienstes mit anschließendem Konzert am 4. Advent hat sich bewährt. Der Kindergottesdienst wurde wieder gestartet, momentan im 14-tägigen Rhythmus. Es ist schwer, Eltern und Kinder für diesen Gottesdienst zu gewinnen. Die meisten Familien wohnen weit entfernt von der Gemeinde. Dazu kommt, dass die Eltern offen sein müssen für den Besuch des „großen” Gottesdienstes. Wir denken an, hier auch mehr in Form von Projekten (z.B. Kinderbibeltage) zu arbeiten.Kinder und Jugendliche sind die Zukunft - und die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gehört in besonderem Maße zum Kerngeschäft einer Kirchengemeinde.

In 2009 haben wir in Trauergottesdiensten von drei Menschen Abschied genommen. Drei Paare gaben sich das Ja-Wort. Und 12 (!) junge und ältere Christen haben wir getauft. Die Idee eines Tauffestes hat sich hier bewährt und soll wieder angeboten werden.

Äußerst positiv gestaltet sich die Kooperation zwischen den Pfarrern und unseren beiden Organistinnen. Sie könnte nicht besser sein, da sie unkompliziert und uneitel verläuft. Zwei neu angeschaffte Liederbücher sowie das E-Piano / die Gitarre tun das Ihre: den Gottesdienst mit neuen Liedern und Melodien anzureichern. Dabei achten wir darauf, dass sich alte Choräle und neue Musik harmonisch verbinden.

Bericht des Pfarramts zur Gemeindeversammlung am 28. Februar 2010

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